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«Wer auffallen will, braucht grossartige Bilder»

Recherche, Lizenzierung, Planung von Foto-Shootings und mehr: Jeannette Bölle verhilft unseren Kunden tagtäglich zu spannenden, überraschenden Bildern. Im Interview gibt die Bildredaktorin und Artbuyerin Einblicke in ihre Arbeit – und verrät, warum gute Bilder in der heutigen Kommunikation unabdingbar sind.

Text: Hansjörg Honegger
Fotos: Daniel Brühlmann
«Wer auffallen will, braucht grossartige Bilder»
Eine Frau vor schwarzem Hintergrund, die mit beiden Händen mehrere farbige Tischtennisbälle in die Höhe wirft.

tnt: Du bist Bildredaktorin und Artbuyerin in unserer Agentur. Was muss man sich darunter vorstellen?

Jeannette Bölle: Das ist eine sehr vielseitige Arbeit. Einerseits entwickle ich Bildideen zu konkreten Geschichten, aber auch Bildkonzepte beispielsweise für Webseiten oder Magazine. Da geht es darum, eine Bildsprache zu definieren, die zum Kunden passt, einen klaren Rahmen setzt, aber auch genügend kreativen Spielraum lässt und einen optischen Unterschied zur Konkurrenz macht.

Kannst du mir ein Beispiel nennen?

Die Webseite der Klinik Meissenberg folgt einem von mir entworfenen Bildkonzept. Selbstverständlich entsteht ein solches Konzept immer in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden.

Das füllt deinen Tag aber noch nicht aus, oder?

Da gibt es noch viel mehr! Ich recherchiere Bilder beispielsweise zu Artikeln, die unsere Textabteilung schreibt. Hier geht es darum, die geeigneten Stockbilder in ausgewählten Datenbanken für zu finden.

Die Lizenzierung von Bildern hat durchaus ihre Tücken…

Absolut. Das Lizenzieren von Bildern ist schon fast eine Wissenschaft für sich. Zentral ist, das Kleingedruckte der Bilddatenbanken genau zu kennen. Es gibt Anbieter, die ihre Bildlizenzen beispielsweise nur auf sechs Monate beschränken. Da läuft man schnell in eine teure Nachforderung, wenn man nicht aufpasst. Formate, Einsatzzweck und andere Parameter müssen berücksichtigt werden bei der Lizenzierung. Deshalb kläre ich immer auch die Bilder, die uns von Kunden zur Verfügung gestellt werden, auf die hinterlegten Lizenzen ab.

Das tönt alles sehr trocken. Wo bleibt die Kreativität?

(lacht). Vieles ist Bürokratie und Organisation, aber der kreative Anteil bei meiner Arbeit ist sehr hoch. Auch in der Organisation von Shootings oder der Suche von Locations muss ich kreativ sein. Und natürlich bei der Bildrecherche, das ist manchmal sehr komplex und ich muss gerade bei Digitalisierungsthemen um mehr als eine Ecke denken.

Wie machst du das konkret?

Ich kriege den fertigen Text, ohne viel zu wissen. Dann schäle ich gedanklich den Kern des Textes heraus. Diesen Kern übersetze ich in ein Bild.

Oft sind gerade Bilder zum Thema ICT furchtbar eintönig. Der Mann mit dem Hoodie im Halbdunkel vor dem Bildschirm: Ein Klassiker für IT-Security.

Da muss man sehr viel kreativer sein. Ich finde oft tolle Sujets, zum Beispiel aus den Bereichen Natur und Sport.

tnt unterstützt das Softwaredienstleistungs- und Beratungsunternehmen bbv bei der Umsetzung ihres Business Blogs – mit Texten und dazu recherchierten und aufbereiteten Bildern.

Für die CSS produziert tnt das Branchenmagazin «im dialog». Das Cover ist immer ein Objekt, das den Inhalt des Magazins kreativ aufnimmt. Was braucht es, damit am Schluss ein solches Cover entsteht?

Am Anfang steht die Themensitzung des CSS-Redaktionsteams. Da bin ich dabei und ich habe bereits die ersten Bildideen. Dann gibt es in der Agentur eine Brainstorming-Sitzung mit Text, Grafik und Bildredaktion. Hier entstehen die ersten konkreten Bildideen, die wir dann rudimentär ausarbeiten und dem Kunden vorlegen. Stösst ein Vorschlag auf Zustimmung, setzen wir ihn im Studio um.

Hier lassen wir fotografieren und suchen keine Stockbilder?

Korrekt. Ich organisiere das entsprechende Objekt, das ist manchmal recht aufwendig. Im Studio arbeite ich eng mit dem Fotografen zusammen. Wir experimentieren viel an einem solchen Shooting, bis das Resultat perfekt ist.

Wie findest du den geeigneten Fotografen?

Für diesen Auftrag arbeiten wir immer mit demselben Fotografen zusammen. Er kennt die Vorgaben der Kundin und ist im Studio sehr kreativ. Diese Zusammenarbeit hat sich gut bewährt. Grundsätzlich haben wir aber rund ein Dutzend professionelle Fotografen, auf die wir je nach Kundenauftrag zurückgreifen.

Geht es immer um Studioaufnahmen oder auch um Reportagen?

Auch um Reportage-Shootings, beispielsweise für unseren Kunden Suva. Da muss ich sehr viel organisieren, es müssen ja alle beteiligten Personen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Wir müssen das Wetter im Auge behalten und auch die Sicherheit ist immer ein grosses Thema. Wir arbeiten oft unter schwierigen Umständen, beispielsweise auf Baustellen oder in grosser Höhe.

Das ist nicht jedermanns Sache.

Darum muss ich unsere Fotografinnen und Fotografen gut kennen. Wer kann in grosser Höhe arbeiten? Wer kann auf einer Skipiste fotografieren? Wer hat einen guten Zugang zu Menschen, die möglicherweise eine schwierige Geschichte erzählen über Verletzungen und Invalidität? Wer kommt mit einer grossen Gruppe zurecht oder auch, wenn mal etwas Unerwartetes passiert? All das fliesst in meine Überlegungen ein, bevor ich entscheide, wer den Auftrag bekommt.

Bist du da auch immer dabei?

Nein, wir sind ganz im Sinne des Kunden sehr kostenbewusst. Ich erstelle zu jedem Shooting ein detailliertes Briefing, das alle Beteiligten vor dem Shooting erhalten. Das reicht in den meisten Fällen.

Wie gross ist der Einfluss der Kunden auf ein solches Briefing?

Die Anforderungen der Kunden sind zentral. Der Kunde sagt mir im Vorfeld, was er mit der Reportage erreichen will und was im Zentrum stehen soll. Das setze ich dann im Briefing um. Die Fotografinnen und Fotografen kennen auch die Firmenrichtlinien betreffend CI/CD.

Nach dem Shooting liegen oft tausende von Bildern vor. Wer macht die Auswahl?

Dieses sogenannte Bild-Editing mache ich. Oft bekomme ich von den Fotografen eine Vorauswahl, was mir die Arbeit natürlich erleichtert. Das Editing ist eine anspruchsvolle Arbeit, da die Bilder zusammenpassen und eine Geschichte erzählen müssen. Oft muss ich auf ein favorisiertes Bild verzichten, weil es nicht ins Konzept passt.

Das ist sicher hart…

Ja, sehr. Viele Fotografen scheitern am Editing, weil sie genau das nicht schaffen. Das ist eine wichtige Kompetenz, die erlernt sein muss.

Wir haben jetzt lange über Bilder und Fotoshootings gesprochen. Macht ihr auch Videos?

Ja, klar, das muss man heute zwingend anbieten. Wir arbeiten mit Videoproduzenten zusammen, die unser Briefing umsetzen. Ich bin als Projektleiterin die Ansprechpartnerin für unsere Kunden und sorge dafür, dass am Schluss ein perfektes Produkt vorliegt.

Du hast jetzt die Gelegenheit, unseren Kunden zu sagen, warum sie deine Dienste in Anspruch nehmen sollten.

Oha, ein Werbespot in eigener Sache. Da bin ich leider nicht so gut… Aber ich versuchs: Viele Firmen betreiben relativ hohen Aufwand, guten Content in Form von informativen Texten für ihre Kunden bereitzustellen. Doch beim Bild setzen sie dann auf generische Stockbilder, die in der Flut ähnlicher Bilder untergehen. Das ist schade. Denn das menschliche Gehirn reagiert sehr viel empfänglicher auf ein gutes und überraschendes Bild als auf einen guten Text. Das ist schlicht Biologie und Evolution. Wer also möchte, dass seine Texte gelesen werden, braucht ein überraschendes, emotionales, grossartiges Bild. Ein solches zu finden ist harte Arbeit und für einen Laien unglaublich zeitaufwendig. Da ist es günstiger, einen Profi – also mich – zu beauftragen.

Kompliment! Das mit dem Eigenmarketing klappt doch super.

(lacht) Das habe ich vermutlich den Kolleginnen und Kollegen aus der Content-Abteilung abgeschaut.

Haben Sie noch Fragen?

Mehr dazu erläutert Ihnen gerne Jeannette Bölle:
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