Ein Jahr in Bildern: Von Höhen, Höhlen und Tiefen
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Ein Jahr in Bildern: Von Höhen, Höhlen und Tiefen

Höhen und Tiefen prägten ein aussergewöhnliches Fotojahr von Daniel Brühlmann. Tauchen Sie ein in die Fotoserie und erfahren Sie, warum das Jahr so speziell war und welche Rolle das Matterhorn dabei gespielt hat.

Text: Daniel Brühlmann
Fotos: Daniel Brühlmann
Morteratsch Gletscherhöhle im Winter 2025

Einmal in zehn Jahren

Wenn das Fotojahr so beginnt, kann ich mich nicht beschweren. Im tief verschneiten Val Morteratsch schloss ich mich einer Führung zum gleichnamigen Gletscher an. Dort hatte der Morteratschgletscher ein Gletschertor freigegeben, das es laut unserem Guide in dieser Grösse nur alle zehn Jahre zu bestaunen gibt. Mein erster Besuch in einer Gletscherhöhle – ein beeindruckendes Erlebnis.

Wanderung im Winter im Val Morteratsch zur Gletscherhöhle.
Unterwegs im tief verschneiten Val Morteratsch

Vor dem Ansturm

Ein gutes Timing kam mir bei meinem zweiten Besuch in der Gletscherhöhle zugute. An einem Freitagmorgen hatte ich die Höhle fast für mich allein und konnte in Ruhe das Naturspektakel auf mich wirken lassen.

Morteratsch Gletscherhöhle im Winter 2025

Mit der Ruhe war es in den nächsten Tagen vorbei, als die Höhlen in den sozialen Medien immer mehr die Runde machten.

Morteratsch Gletscherhöhle
Die Instagram-Höhle

Wellen

Auf diesen Moment hatte ich jahrelang gewartet, immer wieder die Wetterprognose mit dem Wetterradar und der Webcam abgeglichen. Nun schien endlich der grosse Tag gekommen! Die Prognosen waren verheissungsvoll, es lag frischer Neuschnee und nach zig Besuchen wusste ich, was ich wo fotografieren wollte. Also stapfte ich mit den Schneeschuhen im Licht der Stirnlampe durch die verschneite Landschaft, stellte das Stativ auf und die Kamera ein, montierte die Filter, wartete auf den EINEN richtigen Moment und hielt diesen mit einer Belichtungszeit von 30 Sekunden fest. Trockener Kommentar eines Kollegen, dem ich das Foto voller Stolz geschickt habe: «Jo, da hast du aber Glück gehabt».

Winterstimmung auf der Rigi.

Hungrig

Ein Walhai kann pro Stunde bis zu 6000 Liter Meerwasser filtern, um an Nahrung in Form von Plankton und kleinen Krebsen zu gelangen. Dieses rund vier bis fünf Meter grosse Exemplar konnten wir auf den Malediven beobachten, als er mit offenem Mund immer wieder durch das von Licht angelockte Plankton schwamm.

Walhai auf den Malediven

Farbenblind

Und, gesehen? Oktopusse gehören zu den faszinierendsten Lebewesen unter Wasser. Sie haben neun Gehirne und sind farbenblind, können aber innerhalb von Sekunden ihre Hautfarbe und Struktur an die Umgebung anpassen. Während viele seiner Artgenossen eher kamerascheu sind, schien dieser Oktopus von unserer Anwesenheit wenig beeindruckt – oder er war sich seiner guten Tarnung ziemlich sicher.

Gut getarnter Oktopus auf den Malediven.

Der Schwarm

Wenn sich hunderte Fische zu einem Schwarm formieren, schlägt mein Taucherherz höher. Fast einen ganzen Tauchgang verbrachten wir damit, diesen Schwarm Red Snapper am Aussenriff zu bestaunen, zu fotografieren und zu filmen. Eines meiner Highlights in diesem Jahr.

Ein Schwarm Red Snapper auf den Malediven

Schritt für Schritt

Von der Tiefe in die Höhe. Mit der Besteigung des Piz Palü im Juni startete die letzte Phase der Vorbereitungen für mein grosses Ziel (siehe unten). Die grösste Herausforderung neben der körperlichen Anforderung war der ausgesetzte Gipfelgrat. Tags zuvor hatten wir beim Gletschertraining gelernt, wie zu reagieren ist, wenn jemand aus der Seilschaft auf einem Grat stolpert oder auf dem Gletscher in eine Spalte fällt. Für den Fall, dass jemand aus einer Seilschaft auf einem ausgesetzten Grat abstürzt, gibt es ebenfalls eine Lösung: auf der anderen Seite herunterspringen.

Piz Palü Besteigung

Übernächtigt

Sonnenaufgänge gehören auf Hochtouren zu den schönsten Momenten. Stellvertretend hier der Sonnenaufgang auf dem Weg zum Tödi. Bei dieser Tour wollte ich auch Erfahrungen mit dem Übernachten in SAC-Hütten sammeln. Als Fazit passt folgendes Zitat: «Auf Hütten wird nicht geschlafen, es wird übernachtet».

Tödi Besteigung

Unverhofft

Eigentlich war ich wegen der Steinböcke an diesem Morgen auf dem Hardergrat. Als sich in der Ferne ein Wolkenschauspiel über der Jungfrau präsentierte, leistete das Zoom-Objektiv aber ebenfalls gute Dienste.

Wolkenspiel um die Jungfrau im Berner Oberland

Ziel vor Augen

Was vor einigen Jahren als Idee begann, wurde im August Realität. Für die Besteigung des Matterhorns verlagerte ich mein Homeoffice zur Akklimatisierung nach Zermatt. Sechs Tage vor der geplanten Besteigung präsentierte sich das «Horu» in den Morgenstunden leicht angezuckert. Das Wetter sollte auch in den nächsten Tagen ein Thema bleiben.

Das Matterhorn am frühen Morgen

Stigelisinnig

Bevor es auf das Matterhorn ging, sollte ein letzter Belastungstest zeigen, ob ich parat bin. Auf der halben Breithorn-Traverse wurde ich von einem einheimischen Bergführer beäugt. Sein Fazit: Alles gut, nur beim Ein- und Auspacken der Ausrüstung sollte ich noch etwas schneller werden – sonst werde sein Bergführer-Kollege auf dem Matterhorn stigelisinnig.

Auf der Breithorn-Traverse

4478

Aufgrund der bevorstehenden Schlechtwetterfront musste ich die Besteigung des Matterhorns um zwei Tage vorverlegen. Geführt von meinem Bergführer David stand ich am 26. August um 7.45 Uhr auf dem Gipfel dieses ikonischen Berges, der für mich vor 1,5 Jahren noch komplett unerreichbar schien.

Matterhorn Besteigung

Vollmond

Vom Wahrzeichen der Alpen zum Wahrzeichen der Dolomiten. Am zweiten Morgen unserer Fotoreise machten wir uns um 3.30 Uhr auf den Weg zu den Drei Zinnen. Während meine Fotokollegen den näher gelegenen Selfie-Hotspot vorzogen, wanderte ich etwas weiter zu diesem ebenfalls bekannten, aber an diesem Morgen einsamen Aussichtspunkt. Kurz vor 6 Uhr streifte der Vollmond die Drei Zinnen, so konnte der Tag beginnen …

Die Drei Zinnen bei Vollmond

Wolkenmeer

… und auch so weitergehen. Gleicher Ort, 52 Minuten später. Zum Sonnenaufgang präsentierte sich eine Stimmung ganz nach meinem Geschmack. Wieder leistete das Zoom-Objektiv gute Dienste.

Dolomiten am frühen Morgen

Unterdessen am Selfie-Hotspot…

Dolomiten Fotospot
Anstehen für ein Selfie

Hoffnungsschimmer

Wenig deutete an diesem Nachmittag darauf hin, was noch kommen sollte. Bisher hatte es den ganzen Tag geregnet, die Landschaft präsentierte sich grau in grau. Einzig eine kleine Sonne auf dem Wetterradar und eine grosse Portion Optimismus liessen uns kurz vor Betriebsschluss den Sessellift zu den Cinque Torri nehmen. Oben angekommen, konnten wir den fragenden Blick des Kassierers an der Talstation nachvollziehen. Im strömenden Regen waren die naheliegenden Berggipfel knapp in ihren Umrissen erkennbar.

Nebel und Wolken in den Dolomiten
So schaut purer Optimismus aus

Doch so langsam kam Bewegung in die Wolken. Der Regen stoppte und rund um uns herum zeigten sich immer mehr die schroffen Spitzen der Dolomiten. Innert 15 Minuten veränderte sich die Stimmung von grau zu wow. Und als sich kurz vor der Dämmerung die Sonne zeigte, sorgte das für glühende Bergspitzen und Speicherkarten. Gesättigt von den Eindrücken und begleitet von Rehen machten wir uns nach dem Eindunkeln wieder an den Abstieg.

Cinque Torri im Abendlicht

Der Baum

Nein, das konnte es nicht gewesen sein! Am ersten Abend auf der Seiser Alm standen wir umringt von anderen Fotografen am populären Spot und warteten vergebens auf einen Lichtblick am grauen Himmel. Doch so beliebt der Aussichtpunkt, so lohnend kann er auch sein. Extra früh machten wir uns am folgenden Morgen erneut auf den Weg und wurden nicht enttäuscht. Pünktlich zum Sonnenaufgang zogen vereinzelte Nebelfelder über die Hochebene und sorgten für eine grossartige Stimmung. Ein Baum in der Ferne hatte es mir dabei besonders angetan, doch auch die ganze Szenerie hätte ein Foto hier verdient… Doch es sollte am nächsten Morgen noch besser werden.

Morgenstimmung auf der Seiser Alm

Der nächste Morgen

Im dichten Nebel machten wir uns zum Abschluss der Dolomiten-Fotoreise erneut auf zum Aussichtspunkt. Als wir wenige Meter unterhalb unseres Ziels die Nebeldecke durchbrachen, trauten wir unseren Augen kaum. Nebelschwaden schwappten über die Hochebene und sorgten für eine märchenhafte Stimmung. Als die Sonne aufging, sich die Nebelfelder langsam verzogen und wir immer noch ganz allein am Fotospot standen, hatten wir uns mit der Seiser Alm längst versöhnt.

Morgennebel über der Seiser Alm

Überlebenskünstlerin

Auf rund 2200 Meter über Meer trotzt diese Lärche standhaft allen Witterungsbedingungen – und wirkt als Blickfang in der rauen Berglandschaft.

Einzelne Lärche auf dem Grimselpass

Windstill

Müsste ich die drei schönsten Seen der Schweiz im Herbst benennen, wäre der Saoseo See dabei. So bot er auch an diesem Sonntagabend eine wunderbare Kulisse, als die letzten Sonnenstrahlen die Lärchen zum Glühen brachten.

Saoseo See im Herbst

Wintereinbruch

Wenig überraschend kam Ende Oktober im Engadin der erste Schnee. Tags zuvor war Regen unser steter Begleiter, der am Nachmittag in Schnee überging. Als der Schneefall immer stärker wurde, ahnten wir bereits, was da kommen würde.

Wintereinbruch im Engadin
Wintereinbruch im Engadin

Am nächsten Morgen machten wir uns noch in der Dunkelheit auf zum Silsersee und wurden reich belohnt. Eine Schneeschicht bedeckte die goldenen Lärchen und sorgte für eine spannende Mischung aus Herbst und Winter. Drei Stunden später war der Zauber bereits wieder vorbei, als die Sonne den Kampf gegen die weisse Pracht auf den Bäumen gewonnen hatte.

Silsersee im Herbst mit Schnee auf den Lärchen

Eiseskälte

Ich bin kein Astrofotograf. Entsprechend verhalten war meine Vorfreude, als der Kollege meinte, er ginge um 21 Uhr nochmals raus um den Sternenhimmel zu fotografieren. Nicht erst seit KI lassen sich Sternenhimmel mit zwei Klicks in Fotos einfügen, da musste ich nach einem ohnehin schon spektakulären Fototag nicht nochmals auf 3000 Meter in die klirrende Kälte hinaus. Doch widerstehen konnte ich auch nicht. Also rein in die sieben Schichten Kleidung und raus aus der Komfortzone. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, zeigte sich die Sternenpracht. Tausende von Sternen leuchteten um die Wette – und war da rechts dezent die Milchstrasse zu sehen? Ich bin zwar immer noch kein Astrofotograf, aber besiegt die KI jemals die Freude, so ein Foto selbst aufgenommen zu haben?

Sternen über dem Piz Bernina

Verpasst

Polarlichter über der Schweiz zu sehen, ist eine Seltenheit. Nachdem ich die Gelegenheit in der Nacht zuvor wieder einmal verpasst hatte, schien die Prognose für die folgende Nacht ebenfalls verheissungsvoll. Also machte ich mich auf den Weg zum Étang de la Gruère, den ich im Herbst bereits einmal besucht hatte.

Étang de la Gruère

Nach einem fotogenen Sonnenuntergang wartete ich über drei Stunden in der Dunkelheit, bevor ich die Hoffnung aufgab. Am Ende des Fotojahres war meine Glücksträhne dann doch zu Ende.

Wobei…

Polarlichter mit ChatGPT
Polarlichter mit ChatGPT
Voila…
Daniel Brühlmann

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Mehr dazu erläutert Ihnen gerne Daniel Brühlmann:
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